Warum eine englische Orgel?

Im Rahmen eines Ideenwettbewerbes im August 2018 wurden drei namhafte Orgelbaufirmen um die Abgabe von Vorschlägen gebeten. Ein historisches Instrument der renommierten englischen Orgelbaufirma Alfred Hunter (London) soll die Grundlage für die Erneuerung unserer Orgel bilden.
Die 1909 gebaute “Hunter-Orgel” der Christ Church von Woking bei London verfügt über einen ganz besonderen, facettenreichen Klang, der sich von einheimischen Instrumenten abhebt. Im Februar 2019 stellte der Bauverein die für den Ankauf der englischen Orgel benötigten Mittel zur Verfügung. Inzwischen ist die Orgel demontiert und in Deutscland fachgerecht eingelgert. Damit konnte sich die Gemeinde das Instrument unabhängig vom Baubeginn sichern.

Christ Church Woking

Derzeit wird die Christus-Kirche in Woking zu einem modernen, multifunktionalen Gemeindezentrum umgestaltet. Nach den Umbauarbeiten wird die historische Orgel nicht mehr benötigt. Daher hat sich die Gemeinde für den Verkauf des Instruments entschieden.

Die Orgel der Christ Church in Woking entstand vornehmlich unter der Leitung von Robert Hunter von der englischen Orgelbaufirma Alfred Hunter & Son und wurde Ostern 1909 durch den Bischof von Guilford geweiht. Hunters Christ-Church-Orgel ist ein Qualitätsinstrument, von denen es abgesehen von Kathedralen und Domen nur wenige vergleichbare gibt.
Die Orgel mit 1688 Pfeifen kostete damals 1.300 £. Das entspricht, mit heutigen Verhältnissen verglichen, etwa einer Größenordnung von 130. 000 €.

Viele Orgelpfeifen waren direkt über dem Spieltisch bzw. dem Altarretabel im nördlichen Querhaus platziert. Doch all diese Pfeifen waren nur dekoratives Zierwerk. Die klingenden Pfeifen waren hinter dem Spieltisch im Verborgenen angeordnet. Auf der Rückseite der Orgel sah man die größten Pfeifen. Sie sind 16 Fuß lang, das entspricht in etwa 5 m. (Pfeifenmaße werden international wie in der See- und Luftfahrt nicht metrisch, sondern in Fuß angegeben.  

   (Quelle: Brian Wichmann: The Christ Church Organ, März 2011)

Die Orgelbauer Alfred Hunter & Son

Alfred Hunter (1827-1911) war ein renommierter Orgelbauer aus London. Seine Instrumente waren nicht nur in England und Irland sehr gefragt, sondern wurden sogar nach Neuseeland und Australien exportiert.

Zunächst arbeitete er von 1856-1866 gemeinsam mit dem Orgelbauer Webb unter der Firmierung Hunter & Webb. 1866 gründete er seine eigene Firma, an der ab 1885 auch sein Sohn Robert beteiligt war. Hunter & Son produzierte bis 1937 und wurde aufgrund fehlender Nachkommen vom noch heute tätigen Orgelbau-Unternehmen Henry Willis & Sons Ltd aus Liverpool übernommen.

Die Hunters bauten mehrere Orgeln pro Jahr. Bei etwa 1.000 Orgelpfeifen pro Instrument war dies eine enorme technische Leistung. Das bedeutendste Beispiel ihrer Arbeit befindet sich in der katholischen Kirche St. James am Spanish Place in London und ist bis heute in Gebrauch.

Orgeln von Hunter & Son haben traditionelle Register mit beschwingten und lebendigen Klangfarben und sind auch heute noch für die hohe Qualität der Verarbeitung und Klangqualität bekannt.